Mit weltumschlingender Sinnlichkeit

Im Banne der Gärten sein,  die uns in atemloser Verlorenheit zurücklassen, welche die Feinmechanik unserer Seele in Schwung bringen. Ist das das, was Sie wollen? Nun, wer schon einmal einen verborgenen Garten von Venedig entdeckte, weiss wovon die Rede ist: Von grünen Inseln als Oasen der Schönheit und Stille. Ein gutes Beispiel dafür ist der Garten des Palazzos’ Rizzo-Patarol – eine Art Symphonie phantastique, die einem entgegenströmt. Hinter dem strengen Bau sieht man steinerne Figuren, die sich in Liebe verschlingen, oder die Büste von Julius Cäsar, die einen ernsten Blick auf die Orangenbäumchen wirft.

Wo man hinschaut: dichtes Efeugrün überwuchert Statuen, die auf dem Boden liegend, um die Aufmerksamkeit des Betrachters betteln. Klar, unsere Zeit ist eine andere, eine in der sich die Gefühlsschaukel nur zaghaft hin- und her bewegt. Doch die Augenblicke, die uns mit Wonne umschmeicheln haben sich nicht geändert. Wir bleiben in ihnen stehen, um uns fast unmerklich einer weltumschlingenden Sinnlichkeit hinzugeben.

Da beginnt unsere Arbeit. Wir wollen mit unseren Gestaltungen an Refugien und Gärten die Gefühle des Betrachters zum Tanzen bringen. Dabei hören wir auf den Gesang der vier Elemente. Wind. Wasser. Erde. Feuer.

Entstehen soll, dies sehen wir als unsere vornehmste Aufgabe, ein Schweben über dem Grautäglichen, über dem Austauschbaren, das Anlass gibt, das wunderbare Gefühl des Erhabenen zu erleben als etwas Grosses, Überwältigendes. Unsere Gärten haben fast ein wenig die Anmutung des Übersinnlichen.


In ihnen Halt zu machen, bedeutet auch eine entschleunigte Hingabe ans Sein. Denn wer verweilt nicht lieber in einem herrlichen Zusammenspiel von Ruhe und Chaos er Natur, als bei der monotonen Regelmässigkeit eines bis zur Unkenntlichkeit herausgeputzten „English Gardens“?

So kommen unsere  Gärten also nie wie das Innere einer Pralinenschachtel daherm sondern immer als Dialog mit den Launen der Natur; als Umarmung ihrer Beauté.  Und wenn man ganz aufmerksam zu lauschen beginnt, hört man wie die Götter den Nektar schlürfen.


André Marc Richard